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WIG-Schweißen erklärt: Präzision für Edelstahl und Aluminium

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Wissen · Schweißen in der Lohnfertigung

Wie funktioniert WIG-Schweißen?

Der Lichtbogen brennt zwischen einer Wolframelektrode und dem Werkstück. Die Elektrode schmilzt nicht ab, sie liefert nur den Lichtbogen; das unterscheidet WIG grundlegend von MAG und MIG. Argon umströmt als inertes Schutzgas die Schweißstelle und hält Sauerstoff fern. Der Schweißer führt mit einer Hand den Brenner, mit der anderen den Zusatzstab, und dosiert damit Wärme und Materialzugabe unabhängig voneinander. Genau diese Entkopplung macht die hohe Kontrolle über das Schmelzbad aus.

Für Stahl und Edelstahl wird mit Gleichstrom geschweißt. Aluminium verlangt Wechselstrom: Die positive Halbwelle bricht die harte Oxidschicht auf, die negative kühlt die Elektrode. Ohne diesen Wechsel schwimmt die Schweiße auf der Oxidhaut, die erst bei über 2.000 °C schmilzt, während das Aluminium darunter schon bei 660 °C flüssig ist.

Wo ist WIG unschlagbar?

Überall dort, wo Nahtqualität wichtiger ist als Geschwindigkeit. Konkret in vier Situationen. Erstens bei Sichtnähten: Die feine, gleichmäßig geschuppte WIG-Naht ist praktisch spritzerfrei und braucht an Edelstahlgestellen oder Verkleidungen oft keine Nacharbeit. Zweitens bei dünnwandigen Bauteilen von etwa 0,5 bis 6 mm, wo grobe Verfahren durchbrennen würden. Drittens bei Wurzellagen in Rohrleitungen und Behältern: Die WIG-Wurzel ist dicht, porenarm und innen glatt, weshalb Rohrleitungsbau und Lebensmittel- oder Verpackungsanlagen darauf bestehen. Viertens bei Werkstoffen, die anderes nicht verzeihen: hochlegierte Edelstähle, Aluminium, Titan und Sonderlegierungen.

Wo liegen die Grenzen?

Bei Tempo und Kosten. Ein WIG-Schweißer schafft als Faustwert nur ein Drittel bis ein Fünftel der Abschmelzleistung eines MAG-Prozesses. An einem Maschinengestell mit vielen Metern Kehlnaht wäre WIG darum reine Geldverschwendung; solche Konstruktionen laufen unter MAG (siehe der Beitrag zum MAG-Schweißen). Dazu kommt: WIG verlangt die meiste Handfertigkeit aller Verfahren. Die Qualität der Naht hängt direkt am Können des Schweißers, weshalb Prüfungen nach EN ISO 9606 hier besonders aussagekräftig sind.

Was bedeutet WIG für Verzug und Nacharbeit?

Die Wärmeeinbringung pro Zeit ist beim WIG geringer als beim MAG, aber die Schweißzeit ist länger; unterm Strich kann in dünnen Blechen trotzdem erheblicher Verzug entstehen. Wer verzugskritische Feinbleche fügt, sollte deshalb auch das Laserhandschweißen prüfen, das die Energie noch konzentrierter einbringt. Die Zusammenhänge erklärt der Beitrag über Verzug beim Schweißen. Bei der Nacharbeit spielt WIG seine Stärke aus: Wo keine Spritzer entstehen, muss auch nichts geschliffen werden.

Ein Praxis-Tipp: Schreiben Sie in der Zeichnung nicht pauschal „WIG“ vor, sondern die Anforderung an die Naht (Sichtnaht, Dichtheit, Bewertungsgruppe nach EN ISO 5817). Dann kann der Fertiger WIG gezielt an den sichtbaren und kritischen Nähten einsetzen und den Rest wirtschaftlich MAG-schweißen; das spart oft spürbar Kosten bei gleichem Ergebnis.

WIG auf einen Blick

Merkmal Wert / Einordnung
Prozessnummer nach EN ISO 4063 141
Elektrode Wolfram, nicht abschmelzend
Schutzgas Argon (inert), teils Argon-Helium
Stromart Gleichstrom (Stahl/Edelstahl), Wechselstrom (Aluminium)
Typische Wanddicken ca. 0,5 bis 6 mm, dickere Querschnitte mehrlagig
Stärken Nahtqualität, Sichtnähte, Wurzellagen, dünnwandige Teile
Grenzen Geschwindigkeit, Kosten, hohe Anforderungen an den Schweißer
Typische Bauteile Edelstahlgestelle, Rohrleitungen, Behälter, Anlagenkomponenten

Häufige Fragen

Wofür steht WIG?

Für Wolfram-Inertgas: Wolframelektrode plus inertes Schutzgas, international TIG (Tungsten Inert Gas) genannt. Die Prozessnummer nach EN ISO 4063 ist 141.

Warum ist WIG so viel langsamer als MAG?

Weil der Zusatzwerkstoff von Hand als Stab zugeführt wird, während beim MAG ein endloser Draht maschinell nachläuft. Dafür bietet WIG die getrennte Kontrolle über Wärme und Materialzugabe und damit die höhere Nahtqualität.

Ist eine WIG-Naht fester als eine MAG-Naht?

Bei fachgerechter Ausführung nicht grundsätzlich. Beide erreichen die geforderten Festigkeiten nach Auslegung und Norm. WIG punktet bei Reinheit, Porenarmut und Optik der Naht, nicht bei der Festigkeit an sich.

Kann man Aluminium WIG-schweißen?

Ja, mit Wechselstrom. Die positive Halbwelle bricht die Oxidschicht des Aluminiums auf. WIG liefert an Aluminium sehr saubere Nähte, bei größeren Blechdicken und langen Nähten ist MIG die wirtschaftlichere Wahl.

Wann sollte ich WIG in der Zeichnung vorschreiben?

Nur wenn die Anforderung es verlangt, etwa bei Sichtnähten oder Wurzellagen mit Dichtheitsanforderung. Besser ist es, die Nahtanforderung zu spezifizieren und die Verfahrenswahl dem zertifizierten Fertiger zu überlassen.

Fries Maschinen- und Anlagenbau schweißt WIG-Nähte an Edelstahl, Aluminium und Stahl mit nach EN ISO 9606 geprüften Schweißern, eingebettet in eine nach DIN EN 1090-2 EXC 2 zertifizierte Fertigung. Alle Verfahren im Überblick: Schweißtechnik bei Fries.

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