Lohnfertigung vergeben: die Checkliste für Einkäufer
Wissen · Einkauf & Vergabe
Was gehört in eine vollständige Anfrage?
Alles, was der Fertiger braucht, um ohne Rückfragen kalkulieren zu können. Jede fehlende Angabe kostet eine Schleife und damit Zeit – oder führt zu Sicherheitsaufschlägen im Preis.
| Angabe | Warum sie wichtig ist |
|---|---|
| Zeichnung (PDF) + 3D-Modell (STEP) | Grundlage für Kalkulation, Aufspann- und Bearbeitungskonzept |
| Werkstoff und Vorzustand | Beschaffung, Zerspanbarkeit, ggf. Glühzustand |
| Kritische Toleranzen markiert | Mess- und Bearbeitungsaufwand realistisch bewerten |
| Stückzahl und Wiederholbedarf | Rüstkosten verteilen sich – das ändert den Stückpreis erheblich |
| Liefertermin und Teillieferungen | Kapazitätsplanung, ggf. Expresszuschläge vermeiden |
| Gewünschte Dokumentation | Messprotokoll, Materialzeugnis 3.1, Schweißdoku – Aufwand transparent |
| Oberfläche / Korrosionsschutz | Lackierung oder Beschichtung gleich mit anfragen statt nachträglich |
Wie macht man Angebote vergleichbar?
Nicht über den Maschinenstundensatz, sondern über den Komplettpreis je Teil inklusive aller Nebenleistungen: Programmierung, Rüsten, Prüfung, Dokumentation, Verpackung. Ein niedriger Stundensatz bei langer Laufzeit ist teurer als ein höherer bei effizienter Fertigung. Warum das so ist, zeigt der Beitrag Was kostet CNC-Fräsen? im Detail. Achten Sie außerdem darauf, dass alle Anbieter dieselben Prüf- und Doku-Anforderungen einkalkuliert haben – sonst vergleichen Sie Äpfel mit Birnen.
Welche Nachweise und Zertifikate sind relevant?
Das hängt vom Bauteil ab. Für allgemeine Zerspanungsteile ist ein gelebtes ISO-9001-Qualitätsmanagement mit Prüfmittelüberwachung die Basis. Bei tragenden Stahlbauteilen ist die EN 1090-2 (typisch EXC2) vorgeschrieben – inklusive geprüfter Schweißer und qualifizierter Schweißaufsicht (IWE/IWT). Für Toleranzangaben auf der Zeichnung lohnt ein Blick auf die Allgemeintoleranzen nach ISO 2768: Wer hier bewusst spezifiziert, zahlt nicht für Genauigkeit ohne Funktion.
Einzelteil, Kleinserie oder Rahmenauftrag?
Bei Einzelteilen dominieren Programmierung und Rüsten den Preis; bei absehbarem Wiederholbedarf lohnt es sich, Stückzahlstaffeln (1 / 5 / 10) anzufragen oder gleich einen Rahmenauftrag mit Abrufen zu vereinbaren. Der Fertiger kann dann Material bündeln, Vorrichtungen vorhalten und Programme wiederverwenden – das senkt den Stückpreis oft zweistellig. Wer komplette Baugruppen fertigen lässt, reduziert zusätzlich Schnittstellen und Koordinationsaufwand.
Woran erkennt man einen guten Lohnfertiger?
Weniger an Hochglanzprospekten, mehr an den Antworten auf vier Fragen: Welche vergleichbaren Teile haben Sie schon gefertigt? Wie sieht Ihr Aufspann- und Messkonzept für dieses Bauteil aus? Welche Kapazitäten (Maschinengrößen, Verfahrwege, Krananlage) stehen bereit? Und: Wer ist mein fester Ansprechpartner? Ein Fertiger, der bei der Zeichnungsprüfung Optimierungsvorschläge macht statt stumm zu kalkulieren, spart Ihnen im Projekt meist mehr, als der Angebotsvergleich je hergibt.
Welche Fehler kosten bei der Vergabe am meisten Geld?
| Fehler | Typische Folge | Vermeidung |
|---|---|---|
| Anfrage ohne 3D-Daten | Rückfragen, Sicherheitsaufschläge | STEP + PDF immer mitschicken |
| Vergabe rein über den Stundensatz | teure Nacharbeit, Terminrisiko | Komplettpreis je Teil vergleichen |
| Toleranzen pauschal eng | unnötige Mess- und Bearbeitungskosten | ISO 2768-m als Standard, Passungen nur mit Grund |
| Doku-Anforderungen erst bei Lieferung | Nachmessen, Diskussionen, Verzug | Prüfmerkmale vor Fertigungsstart vereinbaren |
| Zu viele Anbieter parallel | oberflächliche Angebote, Zeitverlust | 2–3 qualifizierte Fertiger gezielt anfragen |
Die Checkliste zum Abhaken
Zeichnung und STEP vollständig? Werkstoff und Vorzustand benannt? Kritische Toleranzen markiert? Stückzahl und Wiederholbedarf angegeben? Termin realistisch, Teillieferung möglich? Doku-Anforderungen definiert? Oberfläche/Korrosionsschutz geklärt? Nachweise (ISO 9001, ggf. EN 1090-2) beim Anbieter vorhanden? Komplettpreise statt Stundensätze verglichen? Fester Ansprechpartner benannt? – Wenn Sie alle zehn Punkte abhaken können, ist Ihre Vergabe auf der sicheren Seite.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Angebot?
Bei vollständigen Unterlagen bei den meisten Fertigern wenige Werktage; bei Fries in der Regel unter 48 Stunden. Unvollständige Anfragen dauern länger, weil jede Rückfrage eine Schleife kostet.
Reicht eine PDF-Zeichnung oder braucht es ein STEP-Modell?
Für die Kalkulation reicht oft die Zeichnung, für die CAM-Programmierung spart das STEP-Modell Zeit und vermeidet Übertragungsfehler. Ideal ist immer beides.
Soll ich das Material selbst beistellen?
Meist nicht. Fertiger beschaffen Material über etablierte Lieferanten oft günstiger und übernehmen die Verantwortung für Güte und Zeugnisse. Beistellung lohnt nur bei Sonderwerkstoffen aus laufenden Rahmenverträgen.
Wie viele Anbieter sollte ich anfragen?
Zwei bis drei qualifizierte Fertiger, deren Maschinenpark zum Bauteil passt. Zehn Parallelanfragen erzeugen oberflächliche Angebote und kosten alle Beteiligten Zeit.
Was kostet ein Angebot?
Nichts. Seriöse Lohnfertiger prüfen Zeichnung und Machbarkeit kostenlos und unverbindlich.
Sie wollen das fertigen lassen?
Wir setzen genau das im Lohn um – von der Zeichnung bis zum montagefertigen Bauteil:
- CNC-Zerspanung & CNC-Lohnfertigung – Fräsen bis 8.000 mm, Drehen, Bohren, Planschleifen
- Lohnfertigung Schweißen – WIG, MIG, MAG und Laserhandschweißen nach EN 1090-2 EXC2
- Baugruppen fertigen lassen – montagefertig inkl. Bearbeitung, Lackierung und Montage
- Bauteil kalkulieren – Zeichnung oder STEP-Datei hochladen

