Baugruppenfertigung: vom Zeichnungsteil zur montagefertigen Baugruppe
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Was umfasst Baugruppenfertigung konkret?
Die gesamte Prozesskette bis zum montagefertigen Zustand: Zuschnitt und Schweißbau der Konstruktion, Spannungsarmglühen wo nötig, mechanische Bearbeitung der Funktionsflächen, Oberflächenbehandlung wie industrielle Lackierung, Beschaffung der Kauf- und Normteile (Lager, Führungen, Verschraubungen, Antriebselemente), die Montage selbst und die Endprüfung mit Dokumentation. Typische Beispiele sind Maschinengestelle mit montierten Führungen, Roboterzellen-Unterbauten, Fördertechnik-Module und komplette Stationen für Anlagenlinien.
Welche Vorteile hat die Komplettvergabe gegenüber Einzelbestellungen?
Drei, und alle betreffen das Projektrisiko mehr als den Stückpreis. Erstens weniger Schnittstellen: Statt fünf Lieferanten (Stahlbau, Zerspanung, Lack, Kaufteile, Montage) samt Transporten und Terminketten koordiniert der Systemlieferant intern. Zweitens eine Verantwortung: Passt am Ende eine Führung nicht, gibt es keinen Streit zwischen Gewerken, sondern einen Zuständigen für die Funktion. Drittens weniger interner Aufwand: Eine Bestellposition statt dreißig, ein Wareneingang statt zehn, eine Rechnung. Für Einkaufsabteilungen mit knappen Kapazitäten ist dieser Punkt oft der entscheidende.
Was muss der Auftraggeber liefern?
| Unterlage | Wofür sie gebraucht wird |
|---|---|
| Vollständige Stückliste (BOM) | Kalkulation, Beschaffung, Fehlteil-Vermeidung |
| Zeichnungen aller Einzelteile + Baugruppenzeichnung | Fertigung und Montagereihenfolge |
| 3D-Daten (STEP) der Baugruppe | Kollisionsprüfung, Arbeitsvorbereitung |
| Spezifikation der Kaufteile (Hersteller, Typ, Alternativen erlaubt?) | Beschaffung ohne Rückfragen und Fehlkäufe |
| Prüf- und Abnahmekriterien | Endkontrolle, Messprotokoll, Abnahme |
| Oberflächen- und Farbangaben (RAL, Schichtsystem) | Lackierung passend zur Einsatzumgebung |
Ein Praxis-Tipp: Legen Sie bei Kaufteilen fest, ob gleichwertige Alternativen zulässig sind. Ein einzelnes abgekündigtes oder langlaufendes Kaufteil kann sonst die komplette Baugruppe um Wochen verzögern; ein freigegebenes Alternativfabrikat löst das Problem in der Beschaffung statt im Eskalationsmeeting.
Wie läuft ein Baugruppenauftrag ab?
In fünf Schritten: Anfrage mit Stückliste und Zeichnungssatz, technische Klärung (Machbarkeit, Kaufteile, Toleranzkonzept, Montageumfang), Angebot mit Terminplan, Fertigung mit Zwischeninfos bei kritischen Meilensteinen (etwa nach dem Schweißbau und nach der Bearbeitung), dann Endmontage, Prüfung und dokumentierte Lieferung. Seriöse Systemlieferanten melden sich während der Fertigung von selbst, wenn eine Zeichnungsunklarheit oder ein Kaufteilproblem auftaucht, nicht erst beim Liefertermin.
Wann lohnt sich die Baugruppenvergabe und wann nicht?
Sie lohnt sich, wenn die Baugruppe mehrere Gewerke kombiniert (Schweißen plus Bearbeitung plus Montage), wenn interne Montagekapazität fehlt oder wenn Terminsicherheit wichtiger ist als der letzte Prozentpunkt Stückkosten. Sie lohnt sich weniger bei reinen Katalogteil-Montagen ohne Fertigungsanteil oder wenn das Know-how der Montage selbst das Kerngeschäft des Auftraggebers ist. Ehrliche Fertiger sagen das auch so; das Ziel ist die richtige Arbeitsteilung, nicht der maximale Auftragsumfang.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Lohnfertigung und Baugruppenfertigung?
Lohnfertigung liefert einzelne Teile nach Zeichnung. Baugruppenfertigung liefert die komplette, montierte und geprüfte Einheit inklusive Kaufteilen. Der Systemlieferant übernimmt die Koordination der gesamten Prozesskette.
Beschafft der Fertiger auch die Kaufteile?
Ja, das gehört zur Baugruppenfertigung: Lager, Führungen, Normteile und Antriebselemente nach Spezifikation. Wichtig ist die Festlegung, ob Alternativfabrikate zulässig sind, um Lieferzeitrisiken zu entschärfen.
Wie wird eine Baugruppe geprüft?
Nach vorab vereinbarten Kriterien: Maßprüfung der Funktionsflächen (auf Wunsch mit Messprotokoll), Vollständigkeitskontrolle gegen die Stückliste, Funktionskontrollen wie Leichtgängigkeit von Führungen und Dokumentation der Ergebnisse.
Ist eine komplette Baugruppe teurer als Einzelvergabe?
Auf dem Papier manchmal geringfügig, in der Gesamtrechnung selten: Wegfallende Transporte, Wareneingänge, Koordination und Fehlerrisiken an den Schnittstellen gleichen den Unterschied meist mehr als aus.
Ab welcher Größe fertigt Fries Baugruppen?
Vom montierten Kleingestell bis zur Baugruppe mit 25 t Stückgewicht und mehreren Metern Länge, inklusive Schweißbau nach EN 1090-2 EXC 2, Bearbeitung bis 8.000 mm Verfahrweg und Lackierung im Haus.


