Allgemeintoleranzen nach ISO 2768: was Zeichnungsangaben bedeuten
Wissen · CNC-Zerspanung
Wie liest man die Angabe ISO 2768-mK?
Die Norm besteht aus zwei Teilen. Teil 1 regelt Allgemeintoleranzen für Längenmaße, Fasen und Winkel in vier Klassen: f (fein), m (mittel), c (grob), v (sehr grob). Teil 2 regelt Form- und Lagetoleranzen wie Geradheit, Ebenheit, Rechtwinkligkeit und Symmetrie in den Klassen H, K und L. „ISO 2768-mK“ heißt also: Längenmaße nach Klasse mittel, Form und Lage nach Klasse K. Diese Kombination ist im allgemeinen Maschinenbau der verbreitete Standard; die Klasse f kommt bei feinwerktechnischen Teilen zum Einsatz, c und v bei Schweißkonstruktionen und Stahlbau.
Welche Werte stecken hinter den Klassen?
Die wichtigsten Grenzabmaße für Längenmaße nach Teil 1:
| Nennmaßbereich | Klasse f (fein) | Klasse m (mittel) | Klasse c (grob) |
|---|---|---|---|
| 0,5 bis 3 mm | ±0,05 | ±0,1 | ±0,2 |
| über 3 bis 6 mm | ±0,05 | ±0,1 | ±0,3 |
| über 6 bis 30 mm | ±0,1 | ±0,2 | ±0,5 |
| über 30 bis 120 mm | ±0,15 | ±0,3 | ±0,8 |
| über 120 bis 400 mm | ±0,2 | ±0,5 | ±1,2 |
| über 400 bis 1000 mm | ±0,3 | ±0,8 | ±2,0 |
| über 1000 bis 2000 mm | ±0,5 | ±1,2 | ±3,0 |
| über 2000 bis 4000 mm | — | ±2,0 | ±4,0 |
Auffällig und in der Praxis oft übersehen: Die Toleranz wächst mit dem Nennmaß. Ein 2.000-mm-Maß in Klasse m darf ±1,2 mm streuen. Wer an einem Gestell eine Lochposition auf ±0,2 mm braucht, muss das explizit bemaßen, sonst gilt die Allgemeintoleranz und die Reklamation läuft ins Leere.
Wann reichen Allgemeintoleranzen nicht mehr?
Bei allem, was fügt, führt oder dichtet. Passungen (H7/g6 und Verwandte), Lagersitze, Dichtflächen, Verzahnungen und Positionen von Bohrbildern zueinander brauchen gezielte Einzeltoleranzen, gegebenenfalls mit Form- und Lageangaben samt Bezugssystem. Die Kunst liegt in der Dosierung: Jede engere Angabe kostet Bearbeitungs- und Messaufwand, wie der Beitrag zu den CNC-Fräskosten zeigt. Die wirtschaftliche Regel lautet: Allgemeintoleranz als Grundlage, Einzeltoleranzen nur dort, wo eine Funktion sie verlangt.
Was sollten Auftraggeber bei Schweißkonstruktionen beachten?
Dass für Schweißteile eine eigene Norm existiert: Die ISO 13920 regelt Allgemeintoleranzen für Schweißkonstruktionen und ist deutlich großzügiger, weil Schweißen prozessbedingt streut. Üblich ist die Kombination: Schweißbaugruppe nach ISO 13920, mechanisch bearbeitete Funktionsflächen nach ISO 2768 oder mit Einzeltoleranzen. Genau deshalb werden Funktionsflächen nach dem Schweißen gefräst; die Zusammenhänge erklärt der Beitrag über die Bearbeitung von Schweißkonstruktionen.
Ein Praxis-Tipp: Prüfen Sie vor der Freigabe jede Zeichnung einmal mit der Frage „Welches Maß ist hier wirklich funktionskritisch?“. Erfahrungsgemäß tragen weniger als ein Fünftel der Maße echte Funktion; alle anderen dürfen in die Allgemeintoleranz, und genau das macht Teile günstig.
Häufige Fragen
Was bedeutet ISO 2768-mK auf einer Zeichnung?
Alle Maße ohne eigene Toleranzangabe gelten nach Klasse m (mittel) für Längen und Winkel und nach Klasse K für Form und Lage. Die Angabe steht im Schriftfeld und macht die Zeichnung schlank.
Welche Toleranz gilt bei ISO 2768-m für ein 100-mm-Maß?
±0,3 mm, denn 100 mm liegt im Nennmaßbereich über 30 bis 120 mm der Klasse mittel.
Ersetzt die ISO 2768 Passungsangaben?
Nein. Passungen, Lagersitze und funktionskritische Positionen brauchen gezielte Einzeltoleranzen. Die Allgemeintoleranz deckt nur die unkritischen Maße ab.
Gilt die ISO 2768 auch für Schweißkonstruktionen?
Für die Schweißbaugruppe als Ganzes gilt üblicherweise die großzügigere ISO 13920. Mechanisch bearbeitete Funktionsflächen der Baugruppe werden dann nach ISO 2768 oder mit Einzeltoleranzen bemaßt.
Ist die ISO 2768 noch aktuell?
Sie ist in deutschen Zeichnungen weiterhin allgegenwärtig und gültig vereinbar. International löst das neuere GPS-System (etwa ISO 22081) die Allgemeintoleranzen schrittweise ab; für die tägliche Praxis im Maschinenbau bleibt 2768 auf absehbare Zeit der Standard.


