MIG-Schweißen erklärt: das Verfahren für Aluminium und NE-Metalle
Wissen · Schweißen in der Lohnfertigung
Wie funktioniert MIG-Schweißen?
Ein Drahtvorschub fördert die Drahtelektrode kontinuierlich zum Brenner, der Lichtbogen brennt zwischen Draht und Werkstück, der Draht schmilzt ab und füllt die Naht. „Inert“ heißt das Schutzgas, weil es chemisch nicht mit dem Schmelzbad reagiert: Argon, bei dicken Aluminiumquerschnitten auch Argon-Helium-Gemische, die heißer brennen und tiefer einbrennen. Moderne Stromquellen schweißen Aluminium fast immer im Impulslichtbogen: Gesteuerte Stromimpulse lösen die Tropfen kontrolliert ab, reduzieren Spritzer und halten die Wärmeeinbringung im Griff.
Warum braucht Aluminium inertes Gas?
Wegen seiner Oxidschicht und seiner Reaktionsfreudigkeit. Aluminium bildet an Luft sofort eine harte Oxidhaut, die erst bei über 2.000 °C schmilzt, während der Grundwerkstoff schon bei 660 °C flüssig ist. Aktives, CO₂-haltiges Gas würde das Schmelzbad zusätzlich oxidieren und Poren erzeugen. Unter reinem Argon bleibt das Bad sauber; die Oxidschicht wird vom Lichtbogen aufgebrochen. Dazu kommt die hohe Wärmeleitfähigkeit des Aluminiums: Die Wärme fließt schnell ins Bauteil ab, weshalb MIG mit seiner hohen Leistungsdichte dem WIG bei dickeren Querschnitten überlegen ist.
Worauf kommt es bei der Vorbereitung an?
Auf Sauberkeit, mehr als bei jedem Stahlprozess. Die drei Regeln aus der Praxis: Erstens die Oxidschicht unmittelbar vor dem Schweißen mit einer Edelstahlbürste (nur für Aluminium reserviert) entfernen. Zweitens fett- und feuchtigkeitsfrei arbeiten; Wasserstoff aus Feuchtigkeit oder Trennmitteln ist die Hauptursache für Poren in Aluminiumnähten. Drittens Werkstatttemperatur: Kaltes Aluminium aus dem Außenlager schlägt Kondenswasser nieder und poren-verseucht die Naht. Wer diese drei Punkte ignoriert, bekommt Nähte, die im Röntgen wie ein Schweizer Käse aussehen.
Ein Praxis-Tipp für Konstrukteure: Geben Sie bei Aluminiumbaugruppen die Legierung vollständig an (etwa EN AW-5083 oder EN AW-6082 T6). Aushärtbare Legierungen verlieren in der Wärmeeinflusszone Festigkeit; das muss die Auslegung wissen, bevor geschweißt wird.
MIG oder MAG, MIG oder WIG?
Gegenüber MAG ist die Abgrenzung einfach: Werkstofffrage. Stahl läuft unter MAG mit aktivem Gas, NE-Metalle unter MIG mit inertem Gas; Anlage und Handhabung sind nahezu identisch. Gegenüber WIG entscheidet die Wirtschaftlichkeit: WIG liefert an Aluminium die schöneren, saubereren Nähte, ist aber deutlich langsamer. Ab mittleren Blechdicken und bei langen Nähten an Leichtmetallrahmen oder Gehäusen ist MIG die wirtschaftliche Wahl, während Sichtnähte und Feinbleche beim WIG oder beim Laserhandschweißen bleiben. Die Gesamtübersicht liefert der Schweißverfahren-Vergleich.
MIG auf einen Blick
| Merkmal | Wert / Einordnung |
|---|---|
| Prozessnummer nach EN ISO 4063 | 131 |
| Schutzgas | Argon oder Argon-Helium (inert) |
| Werkstoffe | Aluminium, Kupfer, Messing, weitere NE-Metalle |
| Typische Blechdicken | ab ca. 1 mm, dickere Querschnitte mit Ar-He-Gemischen |
| Lichtbogenart | überwiegend Impulslichtbogen |
| Stärken | Geschwindigkeit bei NE-Metallen, stabile mechanisierbare Nähte |
| Grenzen | für Stahl ungeeignet bzw. unwirtschaftlich, empfindlich bei schlechter Vorbereitung |
| Typische Bauteile | Leichtmetallrahmen, Aluminiumgehäuse, Konsolen, Montagebaugruppen |
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen MIG und MAG?
Nur das Schutzgas und damit das Einsatzgebiet: MIG nutzt inertes Argon für NE-Metalle wie Aluminium, MAG aktives CO₂-haltiges Gas für Stahl. Anlage, Drahtvorschub und Prinzip sind identisch.
Kann man mit MIG auch Stahl schweißen?
Technisch möglich, praktisch unüblich. Unter reinem Argon wird der Lichtbogen an Stahl instabil und der Einbrand schlecht. Für Stahl ist MAG mit Mischgas in jeder Hinsicht die bessere Wahl.
Warum entstehen Poren beim Aluminiumschweißen?
Fast immer durch Wasserstoff: Feuchtigkeit, Fett, Trennmittel oder Kondenswasser auf kaltem Material. Saubere Oxidentfernung, trockenes und temperiertes Material sowie sauberer Draht sind die wirksamste Abhilfe.
Verliert Aluminium durch das Schweißen Festigkeit?
Aushärtbare Legierungen wie EN AW-6082 T6 ja, in der Wärmeeinflusszone teils deutlich. Das ist keine Frage der Schweißqualität, sondern der Metallurgie und muss in der Auslegung berücksichtigt werden. Naturharte Legierungen wie EN AW-5083 sind unempfindlicher.


