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MAG, MIG, WIG oder Laser? Schweißverfahren im Vergleich

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Wissen · Schweißen in der Lohnfertigung

Worin unterscheiden sich die Verfahren grundsätzlich?

Alle vier Verfahren verbinden Metall durch örtliches Aufschmelzen, sie unterscheiden sich in Energiequelle und Zusatzwerkstoff. Beim MAG-Schweißen (Prozess 135, Metall-Aktivgas) und MIG-Schweißen (Prozess 131, Metall-Inertgas) brennt der Lichtbogen zwischen einer kontinuierlich nachgeführten Drahtelektrode und dem Werkstück; der Draht ist zugleich Zusatzwerkstoff. MAG nutzt aktives Schutzgas (reines CO₂ oder Mischgas wie M21 mit 82 % Argon und 18 % CO₂), MIG reines Inertgas wie Argon. Beim WIG-Schweißen (Prozess 141, Wolfram-Inertgas) brennt der Lichtbogen an einer nicht abschmelzenden Wolframelektrode, Zusatzdraht wird von Hand zugeführt. Beim Laserhandschweißen ersetzt ein handgeführter Faserlaser den Lichtbogen und bringt die Energie auf einen Punkt von unter einem Millimeter konzentriert ein.

Wann ist MAG die richtige Wahl?

Immer dann, wenn Stahl wirtschaftlich und mit hoher Abschmelzleistung gefügt werden soll. MAG erreicht je nach Parameter mehrere Kilogramm Abschmelzleistung pro Stunde und ist damit bei Baustahl (S235, S355), Feinkornstählen und größeren Blechdicken konkurrenzlos schnell. Tragende Konstruktionen nach EN 1090-2 werden im Stahl- und Maschinenbau fast ausschließlich MAG-geschweißt. Grenzen: mehr Spritzer als bei WIG, raueres Nahtbild, für Aluminium ungeeignet, weil das aktive Gas die Oxidschicht nicht aufbrechen kann und die Naht poren­anfällig macht.

Wann MIG statt MAG?

Sobald NE-Metalle gefügt werden. Unter reinem Argon (oder Argon-Helium-Gemischen) lassen sich Aluminium, Kupfer und Messing spritzerarm und oxidationsfrei schweißen. Mechanisch ist die Anlage dieselbe wie beim MAG-Schweißen, es ändern sich Gas, Draht und Parameter. Typische Anwendungen sind Leichtmetallrahmen, Aluminiumgehäuse und Konsolen im Maschinenbau. Für Stahl bringt MIG keine Vorteile und wird dort praktisch nicht eingesetzt.

Wofür lohnt sich WIG?

Für alles, was höchste Nahtqualität verlangt. Der Lichtbogen brennt ruhig und spritzerfrei, der Schweißer dosiert Wärme und Zusatzwerkstoff getrennt. Das ergibt dichte, glatte und optisch einwandfreie Nähte an Edelstahl, Aluminium und dünnwandigen Bauteilen, typisch von 0,5 bis etwa 6 mm Wanddicke. Der Preis dafür ist Geschwindigkeit: WIG ist um ein Mehrfaches langsamer als MAG und erfordert die meiste Handfertigkeit. Rohrleitungen, Behälter, Edelstahlgestelle mit Sichtnähten und Anlagenkomponenten für Lebensmittel- oder Verpackungsindustrie sind das klassische WIG-Revier.

Was kann Laserhandschweißen, was die anderen nicht können?

Es kombiniert geringe Wärmeeinbringung mit hoher Prozessgeschwindigkeit. Die Wärmeeinflusszone bleibt schmal, das Bauteil verzieht sich deutlich weniger als beim Lichtbogenschweißen, und die gleichmäßige, schmale Naht kommt an Sichtteilen oft ganz ohne Schleifen aus. Stärken ausspielen kann der Handlaser bei Feinblechen bis etwa 4 mm, Edelstahl-Sichtteilen, Gehäusen und verzugskritischen Konstruktionen. Er ersetzt die klassischen Verfahren nicht: Für dicke Querschnitte, große Nahtvolumina und tragende Konstruktionen nach EN 1090 bleiben MAG und WIG gesetzt. Mehr dazu im Beitrag über Verzug beim Schweißen.

Die Entscheidungstabelle

Kriterium MAG (135) MIG (131) WIG (141) Laserhand
Schutzgas aktiv (CO₂, M21) inert (Argon) inert (Argon) meist Argon/Druckluft-Crossjet
Ideale Werkstoffe Bau- und Feinkornstahl, Edelstahl Aluminium, Kupfer, Messing Edelstahl, Aluminium, Sonderwerkstoffe Edelstahl, Stahl, Feinblech
Typische Blechdicke ab ca. 0,8 mm, nach oben offen (mehrlagig) ab ca. 1 mm ca. 0,5 bis 6 mm ca. 0,5 bis 4 mm
Geschwindigkeit hoch hoch niedrig hoch
Nahtoptik gut, leichte Spritzer gut sehr gut sehr gut, schmal
Verzugsneigung mittel bis hoch mittel mittel gering
Typischer Einsatz Gestelle, Rahmen, Stahlbau nach EN 1090 Leichtmetallrahmen, Alu-Baugruppen Sichtnähte, Rohre, Behälter Sichtteile, Gehäuse, Feinblech
Relativer Kostenpunkt je Naht niedrig niedrig bis mittel hoch mittel

Wie entscheidet man im konkreten Fall?

In dieser Reihenfolge fragen: Erstens der Werkstoff. Aluminium schließt MAG aus, Baustahl macht MIG überflüssig. Zweitens die Anforderung an die Naht: tragend nach EN 1090, dicht, sichtbar? Sichtnähte sprechen für WIG oder Laser, Tragfähigkeit bei großen Querschnitten für MAG. Drittens Blechdicke und Verzugsempfindlichkeit: je dünner und verzugskritischer, desto eher Laser oder WIG. Viertens die Stückzahl: Bei Serien zählt die Nahtleistung pro Stunde, und die spricht bei Stahl fast immer für MAG.

Ein Praxis-Tipp: Legen Sie das Verfahren nicht in der Zeichnung fest, wenn es die Norm nicht verlangt. Die Angabe „Schweißnaht nach EN ISO 5817, Bewertungsgruppe C“ lässt dem Fertiger die Wahl des wirtschaftlichsten Verfahrens; eine erzwungene WIG-Naht an einer verdeckten Stelle kann ein Bauteil unnötig verteuern.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen MIG und MAG?

Das Schutzgas. MAG arbeitet mit aktivem Gas (CO₂ oder Argon-CO₂-Mischgas) und ist das Standardverfahren für Stahl. MIG arbeitet mit inertem Gas (Argon) und wird für Aluminium und andere NE-Metalle eingesetzt. Anlage und Prinzip sind identisch.

Welches Schweißverfahren ist das beste für Edelstahl?

Für Sichtnähte und dünnwandige Edelstahlteile WIG oder Laserhandschweißen, für tragende Edelstahlkonstruktionen mit größeren Querschnitten auch MAG mit passendem Mischgas. Entscheidend sind Nahtanforderung und Blechdicke.

Kann man Aluminium MAG-schweißen?

Nein, praktisch nicht. Aktives Schutzgas führt bei Aluminium zu Poren und instabilem Prozess. Aluminium wird MIG- oder WIG-geschweißt, dünnwandige Teile auch mit dem Handlaser.

Ist Laserhandschweißen fester als WIG?

Bei richtiger Ausführung erreichen beide Verfahren die volle Anschlussfestigkeit des Grundwerkstoffs im Rahmen der Auslegung. Der Unterschied liegt nicht in der Festigkeit, sondern in Wärmeeinbringung, Nahtgeometrie und Geschwindigkeit. Für tragende Bauteile gelten unabhängig vom Verfahren die Nachweise nach EN 1090.

Wer darf tragende Konstruktionen schweißen?

Betriebe mit Zertifizierung nach EN 1090-1 und Schweißern, die nach EN ISO 9606-1 geprüft sind, unter Aufsicht einer qualifizierten Schweißaufsicht. Für Ausführungsklasse EXC 2 ist das im Maschinen- und Stahlbau der übliche Standard.

Fries Maschinen- und Anlagenbau schweißt mit allen vier Verfahren unter einem Dach, zertifiziert nach DIN EN 1090-2 EXC 2, und wählt das Verfahren nach Bauteil statt nach Gewohnheit. Einen Überblick gibt die Seite Lohnfertigung Schweißen.

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